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Frieren Katzen im Winter? Der Leitfaden zur idealen Raumtemperatur
Es ist tiefer Winter. Draußen schneit es, die Fenster klappern im Wind und Sie haben das Thermostat aus Gründen der Energieeffizienz auf 18°C heruntergedreht. Sie tragen Wollsocken und einen Pullover, um sich beim Fernsehen auf der Couch wohlzufühlen.
Dann bemerken Sie Ihre Katze.
Sie hat sich zu einem kleinen, festen Kreis zusammengerollt, ihre Nase ist tief unter ihrem Schwanz vergraben und ihre Pfoten sind eng an den Bauch gezogen. Sie schläft tief und fest.
Da Katzen mit einem weichen Fell bedeckt sind, nehmen wir Menschen an, dass sie einen eingebauten Wintermantel haben. Wir nehmen an, dass 18°C für ein Tier mit permanentem Pelz absolut angenehm sein muss.
Diese Annahme ist ein biologischer Irrtum. Die Wahrheit ist, dass Ihre Katze bei 18°C wahrscheinlich friert.
Hier ist die Wissenschaft hinter der Körpertemperatur einer Katze, warum sie ein auf Hitze ausgerichtetes Nervensystem haben, und wie Sie Ihr Zuhause im Winter komfortabler gestalten können, ohne die Heizkostenabrechnung zu ruinieren.
1. Das Wüstenerbe (Die Thermoneutrale Zone)
Um zu verstehen, wie eine Katze Kälte empfindet, müssen Sie wissen, woher sie stammt. Alle modernen Hauskatzen (Felis catus) stammen genetisch von der afrikanischen Falbkatze ab – einem Tier, das sich über Millionen von Jahren an das Überleben in den heißen Wüsten des Nahen Ostens angepasst hat.
Aufgrund dieser evolutionären Prägung unterscheidet sich die “thermoneutrale Zone” einer Katze (der Temperaturbereich, in dem das Tier keine zusätzliche Energie aufwenden muss, um sich abzukühlen oder aufzuwärmen) deutlich von der eines Menschen.
- Die thermoneutrale Zone des Menschen: Liegt bei etwa 20°C bis 24°C.
- Die thermoneutrale Zone der Katze: Liegt zwischen 30°C und 38°C.
Wenn die Raumtemperatur unter 30°C fällt, muss der Stoffwechsel einer Katze anfangen, härter zu arbeiten, um Wärme zu erzeugen. Das bedeutet, dass eine Katze, wenn Sie in Ihrem 20°C kühlen Haus entspannen, denselben Raum als zu kühl und energiezehrend empfindet.
Aus diesem Grund sonnen sich Katzen im Hochsommer stundenlang bei 35°C auf heißem Beton. Für uns ist das unerträglich; für sie fühlt es sich endlich wie eine angenehme Temperatur an.
2. Die normale Körpertemperatur (Sie laufen heiß)
Wenn Sie Fieber haben, steigt Ihre Körpertemperatur auf etwa 38°C. Sie schwitzen, zittern und fühlen sich krank.
Für eine gesunde, ruhende Hauskatze liegt die völlig normale innere Körpertemperatur zwischen 37,8°C und 39,2°C.
Da Katzen deutlich heißer sind als Menschen, verlieren sie schnell Wärme an die Umgebung, besonders durch ihre wenig isolierten Ohren und Pfotenballen. Wenn Ihr Haus nachts auf 16°C abkühlt, entspricht das einem Temperaturunterschied von über 22 Grad zu ihrem Körperkern. Ohne eine Wärmequelle müssen sie die ganze Nacht ihre Muskeln anspannen oder sich zu einem engen Ball zusammenrollen, um den Wärmeverlust zu minimieren.
Hinweis: Ältere Katzen und Kätzchen haben es besonders schwer. Älteren Katzen fehlt oft die Muskelmasse, um durch Zittern effektiv Wärme zu erzeugen, und Kätzchen haben den Körperfettanteil eines Erwachsenen noch nicht entwickelt. Beide frieren bei Temperaturen unter 21°C stärker.
Kurzhaar versus Langhaar
Nicht alle Katzen empfinden Kälte gleich. Kurzhaarige Rassen wie Siamkatzen, Bengalkatzen oder Abyssinier haben ein dünnes Fell ohne nennenswerte Unterwolle. Sie verlieren Körperwärme erheblich schneller als Langhaarrassen wie die Norwegische Waldkatze oder die Maine Coon, die über eine dichte Unterwolle verfügen.
Kurzhaarige Katzen sind besonders kälteempfindlich und brauchen in Innenräumen aktive Unterstützung durch Wärmequellen. Nackte Rassen wie die Sphynx frieren bereits bei Raumtemperaturen von 21°C bis 22°C und sind ohne ein Katzenpullöverchen oder ein beheiztes Bett im Winter schlecht aufgestellt.
3. Kompromisse: Den “Höhlen”-Instinkt heizen
Sie müssen Ihr Haus im Januar nicht auf 32°C aufheizen, um Ihre Katze glücklich zu machen. Da Katzen klein sind, können Sie leicht “Mikroklimas” im Haus schaffen, die ihre Wärmebedürfnisse erfüllen.
1. Das elektrische (haustiersichere) Heizkissen: Das ist die am häufigsten empfohlene Lösung. Verwenden Sie niemals ein menschliches Heizkissen! Menschliche Heizkissen werden zu heiß und können Verbrennungen auf der Haut der Katze verursachen. Haustiersichere Heizbetten schalten sich nur ein, wenn die Katze hineintritt, und halten konstant und sicher eine Temperatur von etwa 39°C.
2. Die erhöhte “Höhlen”-Position: Wärme steigt nach oben. Der Boden der Küche ist oft 3 Grad kälter als der Platz auf dem Kühlschrank. Stellen Sie sicher, dass Ihre Katze erhöhte, weich gepolsterte Betten hat. Ein Bett im “Höhlen”-Stil (ein geschlossenes Körbchen) ermöglicht es, dass ihre eigene Körperwärme in einer isolierten Kuppel eingefangen wird.
3. Sonnenflecken und Zugluftstopper: Katzen folgen Sonnenlicht. Sie verfolgen jeden Quadratmeter Sonnenlicht, der sich langsam über den Teppich bewegt. Stellen Sie sicher, dass Ihre Wintervorhänge an den nach Süden ausgerichteten Fenstern zurückgezogen sind, um Strahlungswärme in den Raum zu lassen. Legen Sie dicke Zugluftstopper an die Unterseite Ihrer Außentüren, um zu verhindern, dass kalte Luft über die Dielen fegt.
Heizstrahler und offene Kamine: Vorsicht geboten
Katzen werden von Wärmequellen angezogen – und das führt leider zu Unfällen. Offene Kamine sind für Katzen mit freiem Zugang gefährlich. Eine Katze, die in die Flammen springt, oder sengende Funken auf dem Fell können schwere Verbrennungen verursachen. Stellen Sie immer ein stabiles Kaminschutzgitter auf.
Elektrische Heizstrahler sollten ebenfalls mit Vorsicht betrieben werden. Manche Katzen legen sich so nah vor Heizer, dass das Fell überhitzt und die Haut darunter Schäden nimmt, ohne dass die Katze dies sofort registriert. Halten Sie mindestens 40 Zentimeter Abstand zwischen Heizgeräten und Katzenbetten.
4. Ab wann wird es gefährlich?
Hypothermie (Unterkühlung) ist bei Hauskatzen in beheizten Innenräumen selten, aber möglich – vor allem bei sehr alten, sehr jungen oder kranken Katzen, sowie bei kurzhaarigen Rassen in unbeheizten Räumen.
Erste Warnsignale einer Unterkühlung:
- Intensives, unkontrollierbares Zittern
- Sehr kalte Ohren, Pfotenballen und Schwanzspitze
- Schläfrigkeit, Lethargie, schwerfälliges Bewegen
Wenn Sie diese Zeichen bemerken, bringen Sie die Katze sofort in einen warmen Raum, wickeln Sie sie vorsichtig in eine Decke und wärmen Sie sie langsam auf – nicht durch direkte Wärmequellen mit hoher Intensität, sondern durch Körperwärme und sanfte Wärmeflaschen (in ein Tuch gewickelt). Bei schwerer Unterkühlung ist sofort ein Tierarzt aufzusuchen.
5. Hitze ist gefährlicher als Kälte
So hitzeliebend Katzen auch sind – ein überhitztes Haus im Sommer ist weitaus gefährlicher als ein etwas kühles Haus im Winter. Katzen können im Gegensatz zu Menschen nicht schwitzen. Ihr einziges Mittel zur Wärmeabgabe ist das Hecheln (wie Hunde), das jedoch vergleichsweise ineffizient ist.
Bei Raumtemperaturen über 38°C bis 40°C – was in einem geschlossenen Auto im Sommer innerhalb von Minuten erreicht wird – können Katzen einen Hitzschlag erleiden, der lebensbedrohlich ist. Lassen Sie Katzen niemals allein in einem geparkten Fahrzeug zurück, und stellen Sie sicher, dass im Sommer immer ein kühler, schattiger Raum mit ausreichend Wasser erreichbar ist.
Für Katzen im Sommer gilt: Sorgen Sie für frisches Wasser an mehreren Stellen, ermöglichen Sie den Zugang zu kühlen Bodenfliesen (die natürliche Wärme ableiten), und halten Sie mindestens einen Raum durch Rollläden oder Jalousien kühl.
Fazit
Nur weil eine Kurzhaarkatze Fell hat, bedeutet das nicht, dass sie biologisch dafür ausgestattet ist, in einem kühlen Haus problemlos zu leben. Ihre normale Körpertemperatur ist einfach zu hoch, um ohne Unterstützung bei 18°C komfortabel zu sein.
Wenn Sie das Thermostat nicht höher als 18°C drehen möchten, kaufen Sie ein elektrisch beheiztes Haustierbett und lassen Sie sie den Winter sicher zusammengerollt verbringen. Ein warmes Katzenbett, ein paar Sonnenstrahlen durch das Fenster und ein Zugluftstopper unter der Tür kosten wenig – und können den Unterschied zwischen einem frierenden, gestressten Tier und einer zufrieden schlummernden Samtpfote ausmachen.